Lebenslauf

Frater Angelicus wurde als Joseph Henfling am 15. Februar 1877 in Auerbach in der Oberpfalz geboren. Seine Eltern waren Martin und Margarete Henfling, sein Vater ein Kirchen- und Dekorationsmaler, dem er wohl sein Talent verdankt.

Nach dem Besuch der Volksschule und einer Zeit der Arbeit im väterlichen Betrieb besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Nürnberg und ab 1896 für sieben Jahre die Kunstakademie München. Dort lernte er bei Professor Wilhelm von Dietz, einem deutschen Maler und Illustrator der Münchner Schule. Später wurde er sein Meisterschüler. Die Kosten des Studiums finanzierte er durch Stipendien, Preise und den Verkauf seiner Werke sowie Auftragsarbeiten.

Erst ab 1912 begann er Erfolg zu haben, er stellte regelmäßig unter anderem im Münchner Glaspalast aus und schrieb dazu die Worte: „Meine Werke wurden beachtet und gekauft. Das Leben wurde hoffnungsvoll und schön.“ Im selben Jahr wurde er auch ordentliches Mitglied in der Münchner Künstler-Genossenschaft.

Am 01. September 1914 meldete er sich als Freiwilliger für den Kriegsdienst. Im Dezember 1918 kehrte er nach München zurück und erholte sich von den Folgen einer Gasvergiftung. Anschließend malte er weiter und stellte auch wieder aus, hatte Erfolg mit dem Verkauf seiner Bilder, erreichte aber nie den großen Durchbruch.

Im Jahr 1926 verbrachte er 14 Tage im Kloster Beuron und lernte das Klosterleben kennen, das in ihm einen außerordentlichen Eindruck hinterlassen hat. Aus der folgenden Zeit schreibt er:
„Doch seit dieser Zeit kommt der Gedanke nicht mehr zur Ruhe. […] Aus der früheren Unbekümmertheit verfiel ich in eine Art Rationalismus, und dieser Nützlichkeitstrieb stört mein Inneres so, dass ich zu allen Dingen das Verhältnis verloren habe. Ich weiß nicht warum und wofür. Sollen meine Kräfte und Fähigkeiten verloren sein und sich verzehren in dem niederen Kampf um die Existenz. Ich habe Herrn Prälat Hartig in München meine Wünsche vorgetragen und um Rat gebeten und er schrieb mir, ich möchte mich vertrauensvoll an den H.H. Abt von Ettal wenden. Und so will ich tun und bitten um einen Platz, und sei er auch der bescheidenste und nur eine Arbeit und eine Unterweisung für das Heil meiner Seele.“

1929 bat er Abt Willibald Wolfsteiner in einem bewegenden Brief um Aufnahme in das Kloster. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 52 Jahre alt. Abt Willibald kam seiner Bitte nach. Als Ordensnamen wählte er zum Namenspatron den Hl. Giovanni von Fiesole, genannt Fra Angelico und hieß seither Bruder Angelicus. Am 21. September 1934 legte er die ewige Profess ab und band sich damit auf Lebenszeit an das Kloster.

Während seines Klosterlebens schuf er viele Werke und zeigte dabei die Vielfalt seiner Schaffenskraft. Er zeichnete Skizzen zur Ausmalung von Kapellen, malte in den Klöstern Weltenburg, Scheyern, Niederalteich und Schweiklberg, fertigte Portraits, Urkunden und eine Fahne für den hiesigen Burschenverein. Doch immer wieder und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg widmete er sich seiner eigentlichen Begabung – der Landschaftsmalerei.

Am Allerseelentag, den 02. November 1950 ist er gestorben, sein Grab befindet sich im Kreuzgang der Klosterbasilika Ettal.